Ein stures Vieh

 

Ein Malamut ist eine sture Mistsau!!!!!!!!!!

Etwas, was ich immer und immer wieder höre. Nordlandhunde sind unfolgsam, unerziehbar, man kann sie nicht allein lassen, die jagen und manchmal möchte man sie erschießen. Unweigerlich muss ich bei diesen Worten immer wieder grinsten, denn .... hey, ich habe so ein paar Nordlanddinger und ich weiß, was diese Leute so meinen. Dennoch möchte ich so manches ins rechte Licht rücken, damit etwas mehr Verständnis für diese Hunde aufkommt.

Abrichtung:
Zuerst möchte ich mal erklären, dass es einen Unterschied zwischen "Abrichtung" und und "Erziehung" gibt. Bei der Abrichtung erlernt der Hund auf ein akustisches oder sichtbares Signal etwas zu tun, also zu reagieren. Ein Hund, der auf die Entfernung auf das erste "Platz" hinfällt, als wäre er vom Boxhandschuh getroffen, ist auf dieses Signal hin trainiert. Ein Hund, der auf "geh, leg dich nieder" sich irgendwo im Haus hinlegt und Frieden gibt, hat einfach gelernt, dass jetzt Ruhe ist. Ein Hund, der im Straßenverkehr auf "Fuß" sofort an der Seite seines Besitzer klemmt und ihn anhimmelt, ist abgerichtet, ein Hund, der mitgeht, dabei nicht an der Leine zieht und ohne groß befehligt zu werden, anständig geht, ist erzogen. Es gibt Rassen, die sind so gottergeben, dass sie jedes Kommando sofort ausführen, ohne groß darüber nachzudenken, ob er Sinn macht. Es gibt auch Rassen, die sind so leichtführig und clever, dass sie ihren Job nahezu schon allein ausführen. Ein Border Collie wäre ohne den Trieb zu hüten, kein so guter Hütehund geworden. Der Hütetrieb ist bei ihm angeboren. Beim Vorstehhund ist das "Vorstehen", also das Verharren auf der Stelle, genauso angeboren, wie beim Kelpie das Hechten über die Schafkörper und das Weitertreiben von dort aus. Das sind Rassen, deren Verhalten solange züchterisch selektiert wurde, sodass es zu dieser starken Ausprägung gekommen ist. 

Typisch flacher, schleichender und langsamer Gang eines Border-Collies bei der Arbeit an der Herde. 

Pointer beim Anzeigen. Das Wort "Pointer" kommt vom englischen Wort "point" also zeigen. Der Hund zeigt dem Jäger, dass sich das Wild direkt vor ihm befindet. Dabei verharrt der Hund stocksteif und bewegt sich nicht. Ein selektiertes, aber angeborenes Verhalten. 

Australischer Kelpie bei der Arbeit an der Schafherde. Entsteht ein Stau, springt der Kelpie auf den Rücke der Schafe, arbeitet sich nach vorn und versucht dort den Stau aufzulösen. Hunde mit diesen Verhaltensweisen sind für den Menschen unentbehrliche Helfer. 

Grundsätzliches

 

Der Malamut ist ein Nordlandhund. Er ist einer der ältesten, arktischen Hunderassen überhaupt, die seit 2000 Jahren Güter über das Eis befördert haben. Benannt wurde er nach dem Indianerstamm "Malemute". Als Gruppenhund musste er freundlich sein, im Gespann mit anderen Hunden funktionieren und machen Gespanne bestanden aus über zwanzig Tieren. Er musste umgänglich sein, robust, aber auch keine Pfeife, da das im arktischen Gegenden eher hinderlich war. Eine Malamute ist durchaus ein würdevoller Hund, der durchaus leistungsbereit, ergeben, anhänglich und auch folgsam sein kann, wenn man beachtet, dass er eben kein Befehlsempfänger ist und sinnlose Kommandos erkennt. Ein Malamute überlegt eben, warum er sich bei einem gerufenen "Platz" hinlegen soll, wenn keine Veranlassung besteht. Obwohl er das Kommando vielleicht genau kennt, interessiert ihn die Ausführung Nüsse, da keine Sinnhaftigkeit besteht. Ihn dann zu bestrafen, weil er es eben nicht ausgeführt hat, führt zu Unverständnis beim Hund. Zudem sind sie nicht so aufnahmefähig wie zum Beispiel ein Belgischer Schäferhund, und triebig sind sie schon mal gar nicht. Das ist aber genau das, was auf unseren Hundeplätzen verlangt wird. Ein sofort folgender Hund, der mit Beißwurst oder Balli motiviert werden kann und sich freut, wenn er etwas machen darf. Es gibt wenige Malamutes, die sich auf einem Abrichteplatz wirklich wohl fühlen. Sie sehen hinter der Abrichtung, hinter dem Programm, keinen Sinn und machen es nur bedingt mit. Man wird irgendwann scharf an seine Grenzen stoßen, da ein Malamute zwar das Gedächtnis eines Elefanten hat, aber die Auffassungsgabe einer toten Katze. Es braucht, bis sie etwas erlernen und es braucht noch viel länger, bis sie kapieren, dass der Menschen einfach will, dass man sinnlose Kommandos ausführt. Den Schlitten oder Wagen zu ziehen, macht für den Hund Sinn. Sie laufen gerne und wenn hinten was dranhängt, ist ihnen das eigentlich egal, Hauptsache man darf laufen. Das Laufen in der Gemeinschaft, also im Gespann, ist zudem wesentlich spannender. Kommandos wie geradeaus, links, recht, halt haben sie schnell intus und sie lernen sehr schnell, selbst Entscheidungen zu treffen, was eben die Abrichtung so problematisch macht, da man da keine Entscheidungen vom Hund haben will, die nicht befohlen worden sind. Malamuten haben auch die Fähigkeit, auf das Wetter zu reagieren oder Gerüche wahrzunehmen, die Gefahr beinhalten. Leaderdogs, also Leithunde, die an der Spitze des Gespanns laufen, sind meist äußerst clevere Hunde mit Erfahrung. Sie beherrschen nicht nur die Kommandos, sondern bilden mit dem Musher und dem Rest des Gespannes ein Team, sodass alle gut ans Ziel kommen. Dabei meine ich jetzt keine Rennen, wo es darum geht, möglichst schnell eine gewisse Distanz zurückzulegen, sondern es geht um das Ziehen an sich. Wenn beispielsweise Waren befördert werden müssen. Malamuten erkennen auch, ob ein uneinsehbarer Weg gefährlich ist oder nicht. Vorausgesetzt, sie sind mit diesen Dingen vertraut. Fähigkeiten gehören trainiert, sonst schlafen sie schlicht und einfach ein.
In unserer Gesellschaft wird ein folgsamer Hund verlangt, der Kommandos beherrscht. Malamuten weichen bei zu viel Druck diesen Kommandos aus oder erklären recht heftig, dass ihnen das jetzt zu blöd wird. Meist wird die Schuld dem Hund gegeben. Er ist stur, ein Arschloch, gehört trainiert, und, und, und. Nein, es ist nicht deren Sturheit, es ist deren sicheres Bewusstsein ihrem Umfeld gegenüber. Will man einen Malamute haben, der sich folgsam zeigt, dann sollte man ein Bündnis mit ihm eingehen. Er wird willig einige Kommandos lernen, wenn man es nur ab und an verlangt und ihn nicht ständig zutextet. Erklärt man einem Malamute mit der Sprache des Körpers, was man will,  dann wird er wissen, wie er sich zu verhalten hat. Allerdings braucht man selbst dabei ein wenig Kenntnis in Sachen Kommunikation, nicht in Befehlsgebung. Kann man diese Bindung nicht aufbauen, zeigt einem der Malamute schnell den Stinkefinger und lässt den Menschen eben Mensch sein.

Die Jagd

 Die meisten Nordländer sind hervorragende Jäger und machen es auch mit Leidenschaft. Ich werde immer wieder gefragt, ob meine Hunde  jagen, denn das wäre ein NO GO. Nun, einem Robusthund wie dem Malamute  das Jagen abzugewöhnen, ist ungefähr genauso, als würde man in der Wüste staubwischen. Kaum einer dreht um und kommt folgsam zurück, wenn der Hase vor ihm aufgesprungen ist. Den will er haben und Malamuten töten ihn auch, wenn sie ihn erwischen. Der eine jagt mehr, der andere weniger, aber sie sind durchaus in der Lage einen Hasen oder auch ein Reh umzubringen und meist wissen sie auch wie das geht. Natürlich gibt es Nordlandhunde, die sich von der Jagd abhalten lassen, die zurückkommen, die sich brav unterordnen und zeigen, wie gut sie erzogen sind. Geben tut es das alles, es ist aber nicht die Regel. Wer einen Malamute haben will, muss sich irgendwas ausdenken, wie diesen Hund bewegen. Dabei bietet sich der Zugsport wirklich toll an. Entweder vor dem Fahrrad, mit dem Scooter, bei mehreren Hunden vor dem Wagen, auch Skateboard oder Rollschuhe habe ich schon gesehen, was ich mir aber gefährlich vorstelle. Das ist etwas, was diesen Hunde wirklich gut gefällt und dabei kann man sehr gut Kommandos einbauen, die man braucht und die auch Sinn machen. Links, macht Sinn, rechts, macht Sinn, geradeaus, macht auch Sinn, Halten auch und wenn wirklich ein Reh auftaucht, ist der Hund sowieso an der Leine. Fahrräder, Scooter, auch Trainingswägen besitzen Bremsen. Man kann seinen Hund also kontrollieren. 


Verträglichkeit mit anderen Hunden

Der Malamute ist ein Rudelhund, der durchaus im Rudel gehalten werden kann und auch eine Rudelstruktur aufbaut. Aber ganz ehrlich, wer hält sich schon ein oder mehrere Malamuten. Das machen nur die hirnverbrannten Nordlandfans, die Gespannfahrspinner und jene, die sich nichts Besseres mit ihrem Grund anzufangen wissen, als einen Hundeauslauf zu bauen. Ja, wir gehören zu diesen  hirnverbrannten Spinnern, haben mehrere Hunde und wissen um diese Aufgabe. 
Nein, ein Malamute muss nicht unbedingt im Rudel gehalten werden. Natürlich würde er einen Freund oder Kollegen, der immer da ist, den gelegentlichen Besuchen in der Hundezone den Vortritt geben. Wie gesagt. Geht nicht immer. Malamuten sind eigentlich verträgliche Hunde, was aber nicht heißt, dass sie sich alles gefallen lassen. Sie sind würdig und wollen respektvoll behandelt werden. Jetzt gibt es aber Hunde, die halten nicht so wirklich viel von Respekt und nehmen andere Hunde schon mal gar nicht ernst, weil ... passiert ja eh nix. Ein Malamute hat wirklich eine Engelsgeduld, aber wenn ihm so ein Pinschdackelpudel oder irgendeine andere nervende Töle auf den Sack geht, dann kann er schon mal sehr deutlich werden. Hündinnen finden es nicht so prickelnd, wenn fremde Rüden glauben, aufreiten zu müssen. Da kann es schon mal stauben und Rüden haben manchmal ein Problem mit anderen Rüden, die ebenso stolz auftreten oder den Malamute schon aus der Ferne herausfordernd bedrohen. Malamuten scheuen nicht davor zurück, ihre Würde zu zeigen oder sich Respekt zu verschaffen, was manchmal in der Hundewelt gar nicht so gut ankommt. Da wird so ein Hund sofort als aggressiv eingestuft. Ob so ein Malamute den Besuch in der Hundezone jetzt wirklich witzig findet, oder sich unter anderen, fremden Hunden wohlfühlt, muss man herausfinden. Manche nehmen es gelassen hin, manche toben mit anderen Hunden herum, manche kotzen sich fast an. Hat ein Malamute kein Interesse an Artgenossen, wird man ihm die auch nicht schmackhaft machen können. Reagiert ein Malamute deutlich heftig und mit Abwehr, wenn andere Hunde ihn zum Spielen auffordern, dann lässt er sich nicht auf dieses Niveau herab. Man sollte das respektieren und nicht versuchen, den Malamute zu Dingen zu bewegen, die er gar nicht tun möchte. Ein Malamute ist ein großes Wesen. Kein Spielzeug, kein Stofftier, keine Pfeife, die jeden erdenklichen Mist einfach so mitmacht. Kann man mit der Würde seines Malamuten umgehen, wird der Malamute ein sehr angenehmer Hausgenosse, will man ihn anders machen, als er ist, wird man bald seine Grenzen erkennen. 

Wann ist man jetzt Malamutreif?

 
Gute Frage, aber nicht ganz unwichtig, da sich viele Menschen ihren Hund nach der Optik kaufen und nicht nach deren Art. Ein Malamute ist optisch ein wunderschöner Hund. Aber in der Stadt ist er einfach unglücklich. Wohnt ihr also mitten in der Stadt, in einer Zweizimmerwohnung, habt ihr lediglich Freilaufzonen und wenig Freiraum, dann legt euch bitte keinen Malamute zu. Es ist eine Robustrasse und für die Natur ausgerichtet, nicht für das Leben als Großstadtindianer. Dieses eingesperrte Leben macht ihn krank.
Einen Malamute kann man sich dann zulegen, wenn man am Land wohnt und Wege hat, wo man sich ungehindert bewegen darf. Ein Malamute ist wirklich kein Befehlsempfänger, aber stur ist auch der falsche Ausdruck.  Er ist anders, denkt anders, ist manchmal beim Denken etwas langsam, das hat aber nix mit Sturheit zu tun. Sie sind eben keine Schäferhunde, die Habt Acht stehen, wenn der Chef ruft. Malamuten haben ihre eigenen Ideale und wollen auch nicht, dass man ihr Selbstbewusstsein ankratzt.. Arrangiert man sich damit, verzichtet man auf wöchentliche Besuche am Hundeplatz, wo genau das gemacht wird, auf was der Malamute keinen Bock hat, erzieht man ihn so, damit er nicht schlecht auffällt und gönnt man ihm seine Bewegung und auch das Laufen, hat man einen sehr, sehr angenehmen, charmanten, auch witzigen Partner an seiner Seite, der einem mit aller Treue ergeben ist.  

Gespannfahren

 
Es gibt wenige, die das Gespannfahren kennen und noch viel weniger, die auf die Idee kommen, es auch mal zu versuchen. Es macht tierischen Spaß, der Hund ist angeleint, also kann niemand was sagen und selbst der Malamute lässt sich darauf trainieren, sich auf der Straße sittsam zu benehmen. Er ist eigentlich kein Geschwindigkeitsläufer. Für den Rennsport gibt es ganz andere Rassen, weit weg von den Nordlandhunden, da Hundeschlittenrennen unter anderem auch im Sommer ausgetragen werden und der Nordlandhund dafür einfach zu viel Fell hat. Es werden Jagdhunde eingespannt, oder Kreuzungsprodukte, die mittlerweile eigene Namen haben und manchmal komisch aussehen. So zum Beispiel der Alaskan Husky, der gerade in Alaska nur auf Ausdauer und Durchhaltevermögen gezüchtet wird.  Man kreuzte unterschiedliche Polarhunde und mischte dann Jagdhunde und auch Windhunde dazu, um den optimalen Rennhund zu erhalten. Man sagt, dass sie besser im Rudel funktionieren, schneller sind und ein unglaubliches Durchhaltevermögen besitzen. Vermutlich ist bei diesen Hunden auch das Fell weniger dicht, sodass der Hund nicht überhitzt, sich aber dennoch gegen Kälte schützen kann. Ziel dieser Züchtungen ist nicht das Aussehen, sondern der taugliche Rennhund. 
Auch der Europäische Schlittenhund ist ein Kreuzungsprodukt aus Deutsch Kurzhaar, Pointern, Skandinavischem Hound, vermutlich auch Huskys und Windhunden. Man wollten einfach einen tauglichen Rennhund, der sich stark an seinen Besitzer bindet und nicht die Eigenheiten des Nordländers hat.
Wir persönlich fahren keine Rennen. Wir fahren, weil es Spaß macht und im Sommer, wenn uns die Hitze zwingt zuhause zu bleiben, fahren wir eben nicht. Der nächste Herbst wird sicher kommen. Wir bleiben bei unserer Spinnerei und freuen uns, gesunde und robuste Hunde zu haben, mit denen wir durch die Pampa fahren, einen Kilometer nach dem anderen schrubben und keinen Wettkampf daraus machen, wieviele Kilometer wir gefahren sind und welchen Geschwindigkeitsschnitt wir hatten. Wir hatten Spaß, das langt.
 


Der Urtyp

Alte Rassen, jene, die es schon lange gibt und die sich auf ihre Leistung hin aufbauen, haben meist eines gemeinsam. Sie verändern sich kaum. Die meisten Rassehunde fallen "dem Auge" zum Opfer. Menschen versuchen die Rasse durch Zuchtauswahl zu "verbessern" oder zu "verschönern" und bemerken nicht, was sie dabei alles anrichten. 
Das Bild zeigt den alten Typ eines Malamutes. Damals war es wichtig, dass der Hund die Kälte gut verträgt und den Schlitten mit viel Gewicht zieht. Das konnte nur von einem gesunden Hund verrichtet werden, ein kranker wäre schlichtweg eingegangen. Die Farbe war dabei egal, auch, ob der Hund vielleicht mal ein geknicktes Ohr oder eine nicht ganz so schön eingerollte Rute hatte. Weder die Farbe, die Ohren noch die Rute ziehen einen Schlitten. Der Hund musste freundlich und gutartig sein, sich an seinen Musher binden und innerhalb der Familie den Kindern ein guter Kumpel sein. War er das nicht ... ich will nicht wissen, was man damals mit auffälligen Hunden gemacht hat. Erschlagen? Erschossen? Erstochen? Ich weiß es nicht.