Was ist Zucht?

Grundsätzliches: 

Unsere Zuchttiere durchlaufen ein Genscreening bei Feragen (Bei dem Screening wird das Tier auf derzeit 250 mögliche Defekte untersucht
Wir lassen unsere Hunde auf HD und ED röntgen. 
Die Elterntiere haben ein DNA-Profil
Die Welpen erhalten ein DNA-Profil mit Abstammungsgutachten (Die Elternschaft der Elterntiere wird vom Labor überprüft, somit ist gewährleistet, dass die Angaben im Papier auch stimmen)
Die Welpen werden beim ICR eingetragen

Im Allgemeinen bezeichnet man als Zucht das gewählte Verpaaren zweier Tiere mit dem Ziel der genetischen Umformung. Gewollte Eigenschaften sollen verstärkt und ungewünschte zum Verschwinden gebracht werden. Soweit so gut. Was das allerdings für die Individuen bedeutet, mit denen man Zucht betreibt, sieht man an jenen Rassen, die mit Qualzuchtmerkmalen zu tun haben. Hervorquellende Augen, eingedrückte Nasen, gesenkte Hinterhand, Falten, Triefaugen, Haarlosigkeit, und, und, und. 
Zucht ist immer Auslegungssache und jeder Züchter hat das Recht, aus seiner Zucht das zu machen, was ihm wichtig erscheint. Allerdings sollte der Verstand dabei mitarbeiten, denn der Malamute ist eine Robustrasse und soll es bleiben. Durch Inzucht und "Geschmacksverschönerung" wurden schon genug Individuen entworfen, die sich selbst im Weg stehen. 

 

Wir sind über das Gespannfahren auf den Malamute gekommen und waren von Anfang an von diesem wundervollen Kraftpaket begeistert. Wie schon beschrieben, ist der Malamute nicht unbedingt das Rennpferd unter den Nordlandhunden, sondern eher das Kaltblutpferd. Doch als wir uns nach möglichen Zuchttieren umgesehen haben, sind wir ganz schön an unsere Grenzen geraten. 

Ich verstehe bis heute nicht, warum Züchter mit Informationen derart haushalten, wie es vermutlich nicht nur beim Malamute ist. Manchmal bekommt man nicht mal eine Antwort, wenn man nach den Namen der Elterntiere fragt, geschweige denn, wenn man um Untersuchungsdaten bittet. Es gibt eigentlich keine einheitlichen Regeln, was die Zucht betrifft, was an und für sich nichts Neues ist. Auch bei der FCI sind die Regeln von Land zu Land sehr unterschiedlich. Während bei uns schon mit DNA-Profilen gearbeitet wird, heißt das noch lange nicht, dass das in anderen Ländern auch so gemacht wird. Oft wird sogar an den Untersuchungen bei genetischen Defekten gespart. Vielleicht hat man irgendeine Augenkrankheit testen lassen. Dann heißt es "eyes clear". Fragt man nach, welcher Augendefekt getestet wurde, darf man sich in den allermeisten Fällen die Antwort selbst geben. Oft ist nicht mal klar, ob die Hunde HD oder ED geröntgt wurden und ob das Pedigree stimmt, steht auch in den Sternen. Vor einiger Zeit kaufte ich einen angeblich reinrassigen Border Collie, natürlich mit Papieren und allem drum und dran, nicht mal im Ausland, um dann bei einem Test festzustellen, dass es ein Border Collie x Aussie Mix war. Vermutlich hat der Pflichtrüde seine Arbeit getan und ein anderer Rüde hat nochmal drübergedeckt. Ergo, die Hündin hat Welpen von zwei verschiedenen Vätern bekommen, was wohl in der Hundewelt öfter passiert. Ohne DNA-Profil mit Abstammungsgutachten wird das wohl immer wieder passieren. Nachdem man das aber fast nirgendwo bekommt, muss man das glauben, was einem der Züchter erzählt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Will man einen Hund aus einem anderen Land importieren, was notwendig wird, wenn man aus der Inzucht irgendwie raus will, muss man sehr viel in Kauf nehmen,  um möglicherweise dann zu erkennen, dass der Hund einen Erbdefekt hat und in der Zucht nicht eingesetzt werden kann. Gibt es leider immer wieder. 
Auch wir haben unsere Hunde importiert, zumindest versucht, die Daten zu bekommen und mithilfe eines Programms errechnet, wie weit Rüde und Hündin miteinander verwandt sind oder nicht. Man wird keinen Malamute finden, der in den hinteren Reihen keine Inzucht aufweist. Die meisten Malamuten wurden aus den USA in andere Länder exportiert und die Amerikaner sind große Freunde der Inzucht, was sich, wenn man lange genug sucht, in Datenbanken entdecken lässt. Man kann nur versuchen für seine eigene Zucht möglichst genfremde Hunde zu verwenden und ... wie gesagt, da sind die möglichen blauen Augen meine allerkleinste Sorge, denn wir wollen einen unempfindlichen, robusten Nordländer, den man anspannen kann, der sich in die Familie eingliedert, der zeigt, wie charmant ein Malamute sein kann, und kein Showobjekt, das auf Ausstellungen brilliert.  Ja, wer das machen will, okay, ist ja gut. Ich lasse jedem seine Freiheit und hoffe, dass man auch uns unsere Freiheit lässt. Wir wollen sowas nicht. Es ist schon in Ordnung, dass es einen Standard gibt, der beschreibt, wie der Hund einer Rasse in etwa auszusehen hat, aber wenn es dann um kleine Fellflecken geht, um die falsche Augenfarbe, um Größe, um Haarlänge, um eine zu lange Rute, oder eine, die nicht genug eingekringelt ist, einfach um belanglose Dinge, dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Es haben Mindestgrößen ihren Sinn, es haben Verpaarungsrichtlinien bei gewissen Farben ihren Sinn,  es hat auch seinen Sinn, Hunde von der Zucht auszuschließen, die Defekte haben, die sie weitergeben könnten. Aber Hunde wegen falscher Augenfarben oder falscher Farbflecken im Fell als schlecht zu bezeichnen, finde ich jetzt auch nicht richtig, es sei denn, an dieser Farbveränderung würde ein Defekt sitzen. Ist ein Hund rundherum gesund, sollte es egal sein, ob er einen optischen "Fehler" hat oder nicht, denn den Fehler hat bestimmt der Mensch erfunden, nicht der Hund selbst, dem dieser "Fehler" vermutlich so egal ist, wie ein Reissack, der in China umgefallen ist. 

Malamute und Husky sollten sich klar voneinander unterscheiden. Ja, so einfach ist das aber nicht. Jedenfalls nicht für solche, die mit Hunden nicht so viel zu tun haben, wie wir. Für einen Leien ist es kaum erkennbar, ob es sich um einen Husky handelt, oder um einen Malamute. Auch unsere Hunde werden gern als Husky bezeichnet, da die Bezeichnung "Alaskan Malamute" einfach nicht so weit verbreitet ist. Mit Husky können die Leute etwas anfangen, mit Malamute meist nicht. 

Alaskan Malamute. Groß, wuchtiger, schwerer, mit einer gewissen Würde. Die Ohren seitlich am Kopf stehen und leicht abgerundet. 

Sibirien Husky. Kleiner, schnittiger, mit einem wesentlich schmaleren Gesicht und einen Tick mehr Pfiff. Die Ohren spitz und hoch am Kopf angesetzt. 

Das Kaltblutpferd und das Rennpferd des Nordens. Warum mir dieser Vergleich gefällt? Seht her. 

Schwer beligische Kaltblutpferde bei der Arbeit. Von Eleganz und Schnittigkeit sind wir weit entfernt. Die Pferde haben Nerven aus Stahl, eine besonnene Ruhe und die Kraft, einen Wagen, einen Pflug oder was auch immer zu ziehen. 

Englisches Vollblut. Dieses Pferd vor einen schweren Wagen oder einen Pflug zu spannen, ist wohl eher Nonsens. Ihm fehlt die gestandene Kraft, dafür ist es schnittig und gemacht für Geschwindigkeit

Wir versuchen, den alten Typ Malamute zu erhalten und keinen langbeinigen, leichten Typ, der sich besser für Rennen eignet. Wir finden, er soll das Kaltblutpferd bleiben. Ruhig, gelassen, stur ... wenn man so will ... etwas größer, etwas wuchtiger, mit einem gewissen Charme, der ihm keiner nehmen kann und das nötige Bisschen Pfeffer, um lustig vor dem Schlitten, dem Fahrrad, dem Scooter oder einfach um den Bauch gebunden, durch die Natur zu laufen. Er soll seinen Witz behalten, seine selbst denkende Art und auch die Unfähigkeit, sich wie eine Marionette abrichten zu lassen. Ein Malamute tut viel für seinen Herrn und für seine Familie, aber bestimmt nicht hirnlos. 
Uns ist bekannt, dass Malamuten immer mal wieder eingekreuzt wurden, um sie leichter und schneller zu machen. Ja, dann sollte man sich beim Husky bedienen. Sowas gibt es doch schon. Und wenn der nicht passt, gäbe es noch den Alaskan Husky, eine wahre Rennmaschine. Ich finde es immer sehr seltsam, wenn Menschen eine Rasse nehmen, die vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten für etwas gezüchtet wurden und sie dann so stark verändern, damit sie in das heutige, moderne Bild passen. Will man Rennen reiten, nimmt man sich eine Rasse, die dafür geeignet ist. Das Englische Vollblut. Braucht man einen Ackergaul, sucht man nicht unter Edelrassen, sondern eben unter schweren Draft Horses. Will man ein kleineres Reitpony, schaut man sich nicht bei den Riesen um und möchte man ein Dressurpferd, sollte man sich nicht bei den Gangpferden umsehen. So ist das auch bei Hunden. Will ich einen Hund der hütet, nehme ich mir keinen Jagdhund. Will ich einen persönlichen Beschützer, such ich  nicht unter den Pudeln. Möchte ich einen Schoßhund, ist der Bernhardiner nicht die richtige Rasse und will ich beim Agility Turnier gewinnen, nehme ich mir keinen Molosser. Wenn ich Rennen fahren will, sollte man sich unter den Rassen umsehen, die dafür gemacht sind. Auch so manche Jagdhunde können gute Rennhunde sein. Möchte ich allerdings auf die Rennbahn, ja, dann wäre wohl eher der Windhund das Richtige. 
Man kann es jetzt drehen und wenden wie man will, aber der Malamut ist ein großer Bär, mit Kraft, aber eben kein Rennläufer, und wir finden, dass er das bleiben soll, denn auch eine gemütliche Fahrt durch die Natur hat durchaus ihren Reiz.